Gastbeitrag Lehrpraxis

A(dvance) & O(rganizer) für einen guten Überblick

1. Juli 2021

Der Einsatz eines Advance Organizers bietet Ihnen als Lehrperson die Möglichkeit, Ihren Studierenden einen Überblick zu geben und Vorwissen zu aktivieren.

Im „Basismodul Hochschullehre“, das im Rahmen des Zertifikats Hochschullehre angeboten wird, fertigen die Teilnehmer:innen zu einer Lehrveranstaltung einen Advance Organizer an. Häufig erhalten sie bei der Präsentation von den anderen als Rückmeldung: „Jetzt verstehe ich das Konzept der Lehrveranstaltung und hätte richtig Lust, selbst daran teilzunehmen!“ – Für uns ein guter Hinweis, diese Methode im Rahmen eines Blogbeitrags näher vorzustellen.

Oftmals nutzen Dozierende zu Beginn des Semesters eine tabellarische Übersicht der einzelnen Sitzungen und Themen, um den Studierenden einen Überblick über die Lehrveranstaltung zu geben. Für die Teilnehmenden sind die Informationen oft wenig aussagekräftig. Genauer Ablauf, konkrete Inhalte sowie die zu erreichenden Ziele bleiben häufig unklar. Bisweilen kann dies zu einem Gefühl der Überforderung oder Demotivation führen, wenn z.B. Lücken im Vorwissen vermutet werden oder unklar bleibt, in welchem Maße und in welche Richtung ein Kompetenzzuwachs erfolgen soll.

Als geeignete Alternative zu einer tabellarischen Übersicht bietet sich ein Advance Organizer an.

Was versteht man unter einem Advance Organizer?

Die Grundidee geht zurück auf Ausubel (1974), der den Vorschlag machte, Texte vorab mit Organisationshilfen zu versehen, um das Textverständnis zu verbessern. Zentral hierbei ist der Aspekt, ein Grundgerüst (“organizer”) zu etablieren, in welches beim Lesen neue Informationen leichter eingebaut werden können. Übertragen auf eine Lehrveranstaltung, kann man im selben Sinne einen Überblick über die zentralen Themen geben.

Beim Advance Organizer handelt es sich um eine visualisierte Organisations- und Orientierungshilfe für neue Lerninhalte, die zu Beginn einer Lehrveranstaltung in einem kurzen Vortrag von etwa 10 Minuten präsentiert wird.

Enthalten sind 

  • die Darstellung der Schwerpunkte der Lehrveranstaltung
  • eine übersichtliche und verständliche Einführung relevanter Begriffe
  • die Veranschaulichung von Zusammenhängen und Bezügen zum Vorwissen der Studierenden.

Damit erhalten die Studierenden eine im Voraus (“in advance”) gegebene Lernhilfe im Sinne einer Expertenstruktur.

Wie erstellt man einen Advance Organizer?

Der Grundgedanke ist das Übersetzen des Semesterplans in eine Grafik. Stellen Sie sich vor, Sie würden einem Kollegen/einer Kollegin kurz erklären, welche Lehrveranstaltung Sie halten und wie Sie dabei vorgehen möchten. Sicherlich würden Sie in diesem Falle nicht den Seminarplan und eine Themenliste zitieren, sondern einen möglichst strukturierten Überblick geben, der einige Schwerpunkte und interessante Beispiele enthält und die Hauptschritte thematisiert, um die Ziele der Lehrveranstaltung zu erreichen.

Orientieren Sie sich an den folgenden Schritten, um einen Advance Organizer zu erstellen:

  1. Sammeln Sie zunächst die Themen und dazugehörige Begriffe bzw. Inhalte. 
  2. Anschließend gruppieren Sie diese, um eine bessere Übersichtlichkeit herzustellen. Damit können Schwerpunkte und Überbegriffe herausgearbeitet werden.
  3. Stellen Sie nun Abhängigkeiten, verbindende Elemente oder logische Entwicklungswege dar. Dadurch werden die einzelnen Inhalte in Zusammenhang gebracht.
  4. Überführen Sie die Aspekte nun in ein Bild, welches im besten Falle auch einen Bezug zum Inhalt hat (Beispiele: Noten und Notenzeilen im Fachbereich Musikwissenschaften; ein Arztkoffer im Fach Medizin). 
  5. Ergänzend stellen Sie Kursziele als auch Aufgaben und Rollen der Dozierenden und Studierenden dar.

Drei Beispiele für Advance Organizer

1. Der Tempel

Die folgende Grafik zeigt ein typisches Beispiel eines Advance Organizers (allgemeine Darstellung mit Beispielinhalten): Der Tempel besteht aus den Hauptelementen Basis, Säulen und Dach, welche die wichtigsten Kursetappen darstellen. Ergänzend kann der Kran, der hilft, das Bauwerk zu errichten, als Symbol verwendet werden, um die Tätigkeiten bzw. Rollen der Akteure „Dozierende und Studierende“ zu beschreiben. So kann erklärt werden, warum z.B. das Anfertigen eines Referats zur Kompetenzausprägung beiträgt oder warum der Dozierende bestimmte Lehrmethoden einsetzt, da diese der Zielerreichung dienen.

2. Der Weg ist das Ziel

Ein anderes Beispiel ist folgende Darstellung zum Thema Molekulare Virologie im Fachbereich Medizin. Hier wird eine Bergbesteigung als Metapher verwendet, die Einzelthemen werden farblich zu Etappen gruppiert und somit der Weg von den Voraussetzungen bis zur Zielerreichung skizziert.

Der Advance Organizer wurde von Dr. David Peterhoff (Universität Regensburg) erstellt. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.

3. Phasenverlauf

Der folgende Advance Organizer zeigt das Basismodul Hochschullehre. Hier liegt das Ziel darin, die verschiedenen, unterschiedlich umfangreichen Bestandteile des Moduls (zoom-meetings, Präsenzworkshops, Selbstlernphasen, Hospitation etc.) nachvollziehbar in einem Überblick darzustellen. Die Fragen unter den einzelnen Blöcken stellen die jeweiligen Ziele dar.

Welche weiteren Möglichkeiten des Einsatzes eines Advance Organizer gibt es noch?

Nach der Präsentation des Advance Organizers zu Semesterbeginn kann dieser regelmäßig als festes Medium im weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung genutzt werden, um Überleitungen zu machen, Zusammenfassungen zu erstellen oder Ausblicke zu geben. So können in die Visualisierung auch interaktiv und in direkter Zusammenarbeit mit den Studierenden Erkenntnisse aus dem Kursverlauf, offene Fragen oder herausgearbeitete Beispiele und Ergebnisse eingefügt werden. Damit kann der Advance Organizer als formatives, sich stetig erweiterndes und direkt auf den Kurs und die Gruppe bezogenes Instrument, welches den Lernfortschritt dokumentiert, verwendet werden.

Wie unterstützt ein Advance Organizer das Lernen?

Der Advance Organizer zeigt früh im Lernprozess Zusammenhänge und Hauptkategorien auf. In dieses Schema können die Studierenden die neuen Informationen jeweils genau einordnen und damit besser vernetzen. Eine weitere Möglichkeit ist es auch, die Studierenden anzuhalten, einen eigenen Advance Organizer im Sinne einer Mind- oder Concept-Map anzufertigen. In diesen können individuelle Erkenntnisse und Aha-Effekte sowie eigene Beispiele oder Schwerpunkte eingearbeitet werden.

Auf welche Hauptaspekte ist zu achten?

Ein Advance Organizer sollte folgende Merkmale aufweisen:

  • kompakt und übersichtlich: Stellen Sie weniger die Details, sondern mehr die Schwerpunkte und verständnisfördernden  Aspekte (z.B. Zusammenhänge) heraus. Skizzieren Sie den Anfang bzw. die Ausgangslage und den Weg einschließlich der Hauptstationen bis zum Abschluss übersichtlich.
  • verständlich: Erklären Sie Fachbegriffe bzw. verdeutlichen Sie diese durch Beispiele. Hilfreich kann hierbei auch sein, wenn Sie bereits bestehendes Vorwissen aufzeigen.
  • motivierend: Es geht nicht darum, dass Sie alle fachlichen Aspekte in den Advance Organizer einbauen. Verfolgen Sie stattdessen die Frage, welche Aspekte für Ihre Studierenden besonders interessant sind und deren Lernen und Verständnis fördern, für sie Ziele erreichbar werden lassen und ihnen ihren Kompetenzfortschritt verdeutlichen.

Literatur

Ausubel, D. P. (1974). Psychologie des Unterrichts. Weinheim: Beltz.

Vorschlag zur Zitation des Blogbeitrags: Thomas Neger (1. Juli 2021). A(dvance) & O(rganizer) für einen guten Überblick In: Lehrblick - ZHW Uni Regensburg, https://lehrblick.de/advance-organizer-fuer-einen-guten-ueberblick/.

Vielleicht gefällt Ihnen auch...

Keine Kommentare

Antwort hinterlassen