Kurzes Feedback, großer Mehrwert: Drei Methoden für die Hochschullehre

Finger zeigt auf roten Zettel mit drei traurigen Gesichtern über zwei blauen Zetteln mit jeweils drei lächelnden Gesichtern und Logo von lehrblick.de

Lehrqualität ist kein feststehendes oder objektiv messbares Konstrukt. Sie entsteht vielmehr im Zusammenspiel zwischen Lehrenden und Studierenden in einem spezifischen Lehr-Lernkontext. Manchmal unterscheidet sich das, was Lehrende vermitteln möchten von dem, was bei den Studierenden tatsächlich ankommt. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, den Lernprozess regelmäßig aus der Perspektive der Studierenden in den Blick zu nehmen. Feedback-Methoden helfen Lehrenden dabei, die Wirkung ihrer Lehrveranstaltung besser einzuschätzen, Missverständnisse frühzeitig zu erkennen und ihre Lehre gezielt weiterzuentwickeln.

Im Gegensatz zur klassischen Evaluation mit Fragebögen sind diese Methoden dialogorientiert, greifen die Perspektiven der Studierenden ausführlicher auf und liefern unmittelbar umsetzbare Anregungen für die laufende Lehre. Als formative Evaluation sind sie eine sinnvolle Ergänzung zur gängigen Lehrveranstaltungsevaluation am Semesterende und werden von vielen Lehrenden als besonders hilfreich wahrgenommen (Hense & Raser, 2021). 

Die Auswahl an didaktischen Methoden ist groß, zahlreiche Methodenreader (z.B. Dallmeier & Hawelka, 2009; Hoffmann & Kiehne, 2016; Waldherr & Walter, 2022) bieten hier einen breiten Überblick. Welche Methode geeignet ist, hängt vom Einsatzszenario, aber auch von persönlichen Vorlieben ab. Drei niedrigschwellige Methoden für häufige Einsatzszenarien sind das Backpacking, das One-minute-paper und das Barometer.

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Backpacking: Für eine globale Bewertung der gemeinsamen Lernreise

Bei der Methode Backpacking überlegen die Studierenden am Ende einer Lehrveranstaltung oder thematischen Einheit, was sie persönlich „mitnehmen“ und was sie der Lehrperson „mit auf den Weg geben“ möchten. Die beiden Perspektiven werden getrennt erfasst und anschließend gesammelt. Dadurch werden nicht nur Lernergebnisse sichtbar. Lehrende erhalten auch konkrete Hinweise darauf, welche Aspekte der Veranstaltung als hilfreich wahrgenommen wurden und an welchen Stellen Studierende Verbesserungspotenzial sehen.

Ablauf

Platzieren Sie zwei Sammelbehälter (z. B. Kartons) gut sichtbar im Raum. Ein Behälter steht symbolisch für die Studierenden, der andere für Sie als Lehrperson. Geben Sie den Studierenden anschließend zwei Fragen zur Reflexion:

  1. Was nehmen Sie aus der heutigen Veranstaltung mit? Notieren Sie die wichtigste Erkenntnis, eine neue Idee oder einen Impuls, der Sie weiter begleiten wird.
  2. Was möchten Sie der Lehrperson mitgeben? Hier können Anregungen, Lob, Kritik oder Wünsche für zukünftige Veranstaltungen festgehalten werden.

Bitten Sie die Studierenden, ihre Antworten auf die beiden Fragen jeweils auf einer eigenen Karte zu notieren. 

Die Karten werden anschließend anonym in den jeweils passenden Behälter gelegt. Nach der Lehrveranstaltung können Sie die Rückmeldungen auswerten und zentrale Ergebnisse mit der Gruppe besprechen bzw. für die Weiterentwicklung Ihrer Lehre nutzen.

Mehrwert und Nutzen

Backpacking verbindet Lernreflexion und Lehrevaluation in einer einzigen Aktivität. Während die erste Frage Studierende dazu anregt, ihre wichtigsten Lernergebnisse zu identifizieren, liefert die zweite wertvolle Hinweise für die Gestaltung zukünftiger Lehrveranstaltungen.

Gerade weil beide Perspektiven getrennt erhoben werden, entsteht ein differenzierteres Bild als bei einer reinen Abschlussfrage. Lehrende erfahren nicht nur, was bei den Studierenden angekommen ist, sondern auch, wie die Veranstaltung erlebt wurde.

Praktische Hinweise

Die Methode eignet sich für Lehrveranstaltungen bis zu 30 Teilnehmenden. Benötigt werden lediglich zwei Behälter sowie Karteikarten und Stifte. Für die Durchführung sollten Sie etwa 15 Minuten einplanen.

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One-minute-paper: Lernprozesse in einer Minute sichtbar machen

Für Lehrende ist es nicht immer leicht einzuschätzen, welche Inhalte besonders einprägsam waren oder an welchen Stellen noch Klärungsbedarf besteht. Eine einfache Möglichkeit, einen Einblick in den Lernprozess der Studierenden zu erhalten, bietet das One-minute-paper. Die Methode benötigt nur wenig Zeit und unterstützt sowohl die Reflexion der Studierenden als auch die Weiterentwicklung der Lehrveranstaltung.

Ablauf

Geben Sie den Studierenden am Ende der Lehreinheit Gelegenheit, ihren Lernfortschritt zu reflektieren. Formulieren Sie dabei die Fragestellung möglichst konkret. Geeignet sind beispielsweise folgende Fragen:

  • Was war heute Ihre wichtigste Erkenntnis?
  • Welche Frage beschäftigt Sie nach der heutigen Sitzung noch?
  • Wozu würden Sie gerne noch mehr erfahren?
  • An welcher Stelle haben Sie Verständnisprobleme?

Bitten Sie die Studierenden am Ende der Veranstaltung, ihre Antworten auf ein Blatt Papier zu notieren. Anschließend können Sie die Antworten sichten, thematisch bündeln und ggf. die Ergebnisse visualisieren. Die Rückmeldung kann unmittelbar erfolgen oder zu Beginn der nächsten Sitzung aufgegriffen werden. Auf diese Weise erhalten die Studierenden die Rückmeldung, dass ihre Einschätzungen in die weitere Gestaltung der Lehrveranstaltung einfließen.

Mehrwert und Nutzen

Das One-minute-paper macht Lernergebnisse sichtbar, ohne den Lehrveranstaltungsablauf wesentlich zu unterbrechen. Gleichzeitig erhalten Lehrende wertvolle Hinweise darauf, welche Inhalte gut verstanden wurden und wo weiterer Klärungsbedarf besteht. Für Studierende bietet die kurze Schreibphase die Gelegenheit, das Gelernte zu strukturieren und zentrale Erkenntnisse bewusst festzuhalten.

Praktische Hinweise

Die Methode eignet sich für Lehrveranstaltungen bis zu 60 Teilnehmenden. Für die Durchführung werden lediglich Papier und Stifte benötigt. Die schriftliche Reflexion dauert etwa eine Minute. Für die Auswertung und Rückmeldung sollten Sie zusätzlich etwa 15 Minuten einplanen.

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Das Barometer: Feedback auf einen ausgewählten Aspekt

Beim Barometer bewerten die Studierenden einen Aspekt der Lehrveranstaltung auf einer vorbereiteten Skala. Ihre Einschätzung markieren sie mit einem Klebepunkt oder einem Stift. So entsteht auf einen Blick ein visuelles Meinungsbild der Gruppe.

Je nach Fragestellung kann das Barometer unterschiedliche Ziele verfolgen: Es kann die Zufriedenheit mit einer Veranstaltung erfassen, den wahrgenommenen Lernfortschritt sichtbar machen oder Rückmeldungen zu einzelnen Lehrmethoden einholen. Die Methode eignet sich sowohl zum Abschluss einer Sitzung als auch als kurzer Feedbackimpuls zwischendurch.

Ablauf

Bereiten Sie ein Plakat oder ein Flipchart mit einer Skala vor. Formulieren Sie dazu eine konkrete Aussage, der die Studierenden mehr oder weniger zustimmen können, wie z. B.

  • Zusammenhänge wurden ausreichend verdeutlicht. 
  • Das Tempo des Kurses war: viel zu langsam … viel zu schnell
  • Der Dozent/die Dozentin hat eine Arbeitsatmosphäre geschaffen, die dazu ermutigt, Fragen zu stellen und sich selbst zu beteiligen. 

Die Studierenden markieren ihre Einschätzung mit einem Klebepunkt oder einem Stift. Ergänzend können sie ihre Bewertung auf Moderationskarten begründen oder konkrete Verbesserungsvorschläge notieren. Soll die Rückmeldung anonym erfolgen, kann das Plakat während der Bewertung umgedreht oder verdeckt werden. Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam betrachtet und besprochen.

Mehrwert und Nutzen

Das Barometer liefert innerhalb weniger Minuten ein differenziertes Stimmungsbild der Lerngruppe. Lehrende erkennen auf einen Blick, ob es eine breite Zustimmung gibt oder ob die Einschätzungen stark auseinandergehen. Besonders wertvoll wird die Methode, wenn die Ergebnisse nicht nur gesammelt, sondern gemeinsam reflektiert werden. So können Missverständnisse geklärt, unterschiedliche Perspektiven sichtbar gemacht und Anregungen für die weitere Gestaltung der Lehrveranstaltung gewonnen werden.

Praktische Hinweise

Die Aussagekraft des Barometers hängt wesentlich von der Fragestellung ab. Formulieren Sie deshalb möglichst konkret und beziehen Sie sich jeweils auf einen klar umrissenen Aspekt der Lehrveranstaltung.  Der Baukasten Evaluation liefert Ihnen zahlreiche vorformulierte Aussagen zu verschiedenen didaktisch relevanten Themenbereichen. Offene Kommentarmöglichkeiten helfen dabei, die Bewertungen besser einzuordnen und liefern häufig wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung der Lehre. 

Für die Durchführung benötigen Sie lediglich ein vorbereitetes Plakat oder Flipchart sowie Klebepunkte oder Stifte. Selbstverständlich können auch hier digitale Tools zum Einsatz kommen. Mit Tools wie eduVote oder Mentimeter lässt sich ein Barometer leicht realisieren. Der zeitliche Aufwand ist gering, sodass sich die Methode auch dann einsetzen lässt, wenn am Ende einer Lehrveranstaltung nur wenige Minuten zur Verfügung stehen.

Egal, für welche Methode Sie sich entscheiden: Einige einfache Empfehlungen helfen Ihnen dabei, möglichst aussagekräftige Rückmeldungen zu erhalten (Alberternst, 2009).

  • Bereiten Sie die Studierenden auf die Methode vor. Erklären Sie die Vorgehensweise vor dem ersten Einsatz und weisen Sie auf die Grundsätze eines konstruktiven Feedbacks hin.
  • Holen Sie regelmäßig Feedback ein. Kurze Rückmeldungen im Abstand von drei bis vier Seminarsitzungen ermöglichen es Ihnen, Anregungen zeitnah aufzugreifen und in der laufenden Lehrveranstaltung umzusetzen.
  • Planen Sie ausreichend Zeit ein. Für die Durchführung einer Feedbackmethode sollten Sie etwa zehn Minuten vorsehen.
  • Machen Sie den Umgang mit dem Feedback transparent. Informieren Sie die Studierenden darüber, welche Konsequenzen Sie aus ihren Rückmeldungen ziehen. Das zeigt, dass ihr Feedback ernst genommen wird, und erhöht die Bereitschaft, sich auch an zukünftigen Feedbackrunden zu beteiligen. Planen Sie dafür etwa zehn Minuten zu Beginn der nächsten Sitzung ein.
  • Reflektieren Sie den Nutzen der Methode. Nicht jede Feedbackmethode eignet sich für jede Lehrveranstaltung und jede Fragestellung. Prüfen Sie daher regelmäßig, ob die gewonnenen Rückmeldungen Ihnen tatsächlich dabei helfen, Ihre Lehre weiterzuentwickeln. Falls nicht, lohnt es sich, eine andere Methode auszuprobieren.

Welche Feedbackmethoden haben sich in Ihrer Lehre bewährt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne auf LinkedIn.

Literatur

Alberternst, Ch. (2009). Feedback geben – Feedback holen. In B. Hawelka, M. Hammerl & H. Gruber (Hrsg.), Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre (S. 165–179). Asanger.

Dallmeier, B., & Hawelka, B. (2009). Methodenreader: Eine Sammlung bewährter Methoden für Seminare, Vorlesungen und Workshops in der Hochschullehre (Schriftenreihe des ZHW, Bd. 4). Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsdidaktik, Universität Regensburg. https://doi.org/10.5283/epub.35395 

Hense, J., & Raser, M. (2021). Evaluation und Qualitätssicherung in der Hochschullehre. In R. Kordts-Freudinger, N. Schaper, A. Scholkmann, B. Szczyrba, & J. Wildt (Hrsg.), Handbuch Hochschuldidaktik (S. 139–152). wbv Publikation. https://doi.org/10.36198/9783838554082-139-152 

Hoffmann, S. G., & Kiehne, B. (2016). Ideen für die Hochschullehre: Ein Methodenreader. Universitätsverlag der TU Berlin. https://doi.org/10.14279/depositonce-4916 

Waldherr, F., & Walter, C. (Hrsg.). (2022). didaktisch und praktisch: Methoden und Medien für die Präsenz- und Onlinelehre (3. Aufl.). Schäffer-Poeschel. https://doi.org/10.34156/9783791053080

Vorschlag zur Zitation

Hawelka, B. (2026, 16. Juli).  Kurzes Feedback, großer Mehrwert: Drei Methoden für die Hochschullehre. Lehrblick – ZHW Uni Regensburg. https://doi.org/10.5283/ZHW.20260716.DE

Birgit Hawelka
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Dr. Birgit Hawelka ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsdidaktik an der Universität Regensburg. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit den Themenfeldern Lehrqualität und Evaluation. Ansonsten verfolgt sie neugierig alle Entwicklungen und Erkenntnisse rund um das Thema Hochschullehre.